Januar 2026 - Eine Castel-Geschichte von Daniel Dobitsch

Ein Traum wird wahr: Mit dem 911 Dakar ans Nordkap

In den Wintermonaten, wenn das Hotel geschlossen ist, Renovierungsarbeiten koordiniert sind und Ruhe einkehrt, ist der Januar für mich meist ein sehr stiller Monat. Eine Zeit, um als Gastgeber selbst einmal innezuhalten. Um den Kopf freizubekommen. Und um mir einen Reset zu gönnen.

Was schon lange auf meiner persönlichen To-do-Liste stand, ist etwas, das nicht jeder nachvollziehen kann – auch in meiner Familie nicht. Und so habe ich mir den Traum von der Fahrt ans Nordkap allein erfüllt.

Durch einen glücklichen Zufall wurde mein Auto bis nach Rovaniemi transportiert. Die weniger spannende Anreise bis zum Polarkreis blieb mir somit erspart. Der eigentliche Vorteil aber war: Die vollen zehn Tage standen mir für das Wesentliche zur Verfügung – für die Landschaften und Strecken oberhalb des Polarkreises.

ETAPPE 1 VON ROVANIEMI NACH SAARISELKÄ

„Hallo Daniel! Du hast Glück, es ist warm geworden.“

Mit diesem Satz begrüßte mich Vize-Rallye-Weltmeister Uwe Nittel – den ich schon lange kenne – als ich ihn zufällig im Rally Test Center nahe Rovaniemi traf, wo ich mein Auto übernahm. Alles eine Frage der Perspektive: Im Vergleich zu Südtirol erschienen mir die –12 °C durchaus kalt. Im Vergleich zu den –38 °C der Vorwoche war es hingegen tatsächlich „warm“.

Bevor es losging, bekam der Dakar vom Mechaniker noch einen frischen Satz arktischer Winterreifen mit Spikes montiert und wurde von Uwe in seiner Rolle als „Tankwart“ reisefertig gemacht.

Dann startete ich Richtung Ivalo. Die ersten Kilometer fuhr ich sehr vorsichtig. Doch rasch stellte sich ein gutes Gefühl ein – ich war überrascht, wie hervorragend der Grip war. Die Strecke selbst war unspektakulär, doch als bereits gegen 15 Uhr die Dunkelheit hereinbrach, sorgte eisiger Nieselregen für zusätzliche Spannung.

Schnell wurde klar, was dem Dakar fehlt: eine Frontscheibenheizung. Abhilfe schaffte pures Frostschutzkonzentrat im Wischwasserbehälter. Vorbereitung ist eben alles.

Am Abend erreichte ich liebe Freunde, die vor Jahren nach Finnland ausgewandert sind. Es gab ein köstliches Abendessen – und später Bingo in der örtlichen Bar, wo sich freitags viele Dorfbewohner treffen. Gewonnen habe ich nichts. Spaß hatte ich auf jeden Fall!

RUHETAG IN SAARISELKÄ

Hundeschlitten-Tour, gute Gespräche und ausgezeichnetes Essen

Nach einer erholsamen Nacht und einem guten Frühstück ging es am nächsten Morgen nach Ivalo. Dort wartete eine Überraschung auf mich: eine Schlittenhundetour. Der Dakar wurde über Nacht eingeschneit, hatte aber ohnehin einen vollen Ruhetag.

Die Hunde waren bei unserer Ankunft äußerst aufgeregt – nicht wegen des Hoteliers aus Südtirol, sondern weil sie sofort spürten, dass es heute hinaus in die Weite geht. Nachdem wir die Geschirre angelegt und den Schlitten vorbereitet hatten, bekam ich eine kurze Einführung.

Dann ging es los. Sechs Hunde vorne, ich hinten auf dem Schlitten – zunächst durchaus mit Respekt. Doch sie hatten Geduld mit mir. Nach wenigen Kilometern wich die Nervosität dem Vertrauen, und ich ließ die Bremse zunehmend los.

Zwei Stunden durch tief verschneite Winterlandschaft – ein Erlebnis, das große Dankbarkeit in mir auslöste. Eine Erfahrung, die ich jedem nur empfehlen kann.

Ein kurzes Nickerchen am Nachmittag tat gut. Am Abend ging es ins Restaurant Laanilan Kievari (www.laanilankievari.fi). Die Küche überraschte mich mit sehr guter Qualität und einer großartigen Weinkarte, die man hier oben nicht erwarten würde. Wir teilten verschiedene Gerichte – meine Highlights: Rentiertatar, Elchfilet (so zart wie Gerhard Wiesers Rinderfilet) und am offenen Feuer gegarte Rentierschulter.

ETAPPE 2 VON SAARISELKÄ NACH LAKSELV

Natur pur, die ersten Rentiere und (fast) ganz alleine

Der Abschied fiel schwer. Doch die Etappe war rund 260 Kilometer lang, und ich wollte das Tageslicht nutzen.

Die ersten zwei Drittel verliefen durch Finnland, die letzten 80 Kilometer bereits durch Norwegen. Schon nach wenigen Kilometern musste ich anhalten – die Weite, das Licht, die stille Landschaft waren überwältigend.

Ab Ivalo wurde die Strecke fahrerisch besonders reizvoll: Kurven, Kuppen, Seen, Wälder, Lichtungen – die Sonne stets im Rückspiegel.

Kurz vor der Grenze begegneten mir erstmals Rentiere auf der Straße. Ein nicht zu unterschätzendes Risiko, denn sie laufen lieber auf geräumten Straßen als durch tiefen Schnee.

Bei Einbruch der Dunkelheit erreichte ich das Lakselv Hotell. Meine Sorge, der einzige Gast zu sein, erwies sich als unbegründet. Vier weitere Reisende trafen an diesem Abend ein. Glück gehabt.

ETAPPE 3 VON LAKSELV ZUM NORDKAP

Zwischenziel erreicht, aber ohne Happy-End

Die letzte Etappe bis zum großen Zwischenziel stand an. Je weiter nördlich man kommt, desto kürzer wird das Fenster mit Tageslicht. Gut, dass der Dakar über eine starke Zusatzbeleuchtung verfügt.

Nach etwa 60 Kilometern erreichte ich Olderfjord und tankte auf Empfehlung nochmals voll. Dort traf ich vier mutige Männer mit Beiwagen-Motorrädern, die am Vortag vom Nordkap zurückgekehrt waren. Sie berichteten von spiegelglatten Straßen und zehn Stunden Fahrzeit für 140 Kilometer.

Mit einem mulmigen Gefühl setzte ich meine Fahrt fort – und sie sollten recht behalten. In manchen Abschnitten wirkte die Straße nass, tatsächlich war es blankes Eis. Zum ersten Mal war ich sehr froh über meine Spikes. Der Dakar schlug sich wacker.

Ein langer Tunnel unter einem Fjord hindurch, dann Honningsvåg – und schließlich weiter zum Nordkap. Der Wind wurde stärker, sichtbar im Lichtkegel der Scheinwerfer. Die Landschaft wirkte rauer, archaisch, gezeichnet von meterhohen Schneeverwehungen und kargen Felsen.

Dann erschienen im Nebel die Lichter des Besucherzentrums – ausgelegt für Tausende Menschen, die hier im Sommer ankommen. Die letzten Meter ging ich zu Fuß – auch mit Spikes – bis zum berühmten Globus aus Stahl. Geschafft.

Trotz Temperaturen leicht über dem Gefrierpunkt fühlte es sich durch den Wind eisig an. Nordlichter waren an diesem Abend keine zu erwarten. Also fuhr ich zurück nach Honningsvåg, wo ich vorsorglich zwei Nächte gebucht hatte – um meine Chancen zu verdoppeln.

RUHETAG AM NORDKAP

Erkundungstour und endlich Nordlichter

Der morgendliche Ausblick versprach Klarheit für den Abend. Bis dahin erkundete ich die raue, wunderschöne Natur zwischen Honningsvåg und dem Nordkap.

Mit dem Dakar – per Knopfdruck fast 20 Zentimeter Bodenfreiheit – fand ich kleine Schotterstraßen, die hoch über die Fjorde führten. Stille Buchten, Weite und viele kleine Fischerdörfer. Eines davon heißt Skarsvåg. Mit 60 Einwohnern ist es das nördlichste Fischerdorf der Welt – mit dem wohl kleinsten Tourismus-Center.

Bei Einbruch der Dunkelheit fuhr ich erneut zum Nordkap. Angesprochen auf den Dakar, lernte ich dort Christian und seine Tochter Sophie kennen, die seit drei Wochen mit ihrem VW-Camper von München aus unterwegs waren – ebenfalls mit dem Vorhaben, Nordlichter am Nordkap zu sehen.

Sie luden mich in ihren warmen Bus ein, während wir warteten. Wir wollten schon aufgeben, nachdem es zwischenzeitlich sogar kurz regnete, doch dann begann die Magie.

Erst zart, dann kraftvoll zeichneten sich die Polarlichter am Himmel ab. Der Wind legte sich. Meine ersten Nordlichter am Nordkap – ein Traum, der sich erfüllte.

Glücklich fuhr ich zurück nach Honningsvåg. Die Lichter begleiteten mich dabei, und so entstanden noch viele schöne Fotos vom Dakar unter Polarlichtern.

ETAPPE 4 VON HONNINGSVÅG NACH ALTA

Der erste Sonnenaufgang des Jahres

So beeindruckend die Nordlichter sind – das Leben so weit im Norden ist auch von Dunkelheit geprägt. Das wurde mir bewusst, als ich Richtung Süden fuhr – dem Licht entgegen – und dabei sprichwörtlich aufblühte.

Ich hatte das Glück, an einem der ersten Tage unterwegs zu sein, an denen die Sonne überhaupt wieder aufgeht und das Wetter schön ist. Als in Südtirol lebender, sonnenverwöhnter Mensch ist es schwer vorstellbar, wie sehr man sich nach diesem Licht sehnen kann.

Überwältigt vom Anblick der Sonne, die ganz tief stand, hielten viele Menschen an, um bewusst ein paar Minuten im Sonnenlicht zu stehen. Ich tat es ihnen gleich – und es tat so gut.

Die Temperaturen fielen kontinuierlich, je weiter ich mich vom Meer entfernte: von –0,5 °C nahe dem Nordkap auf –18 °C Richtung Alta. Die Natur war gefroren, der Horizont dunstig. Der Straßendienst arbeitete mit beeindruckenden Maschinen.

In Alta angekommen, gönnte ich mir zur Belohnung eine Zimtschnecke – und genoss den wunderschönen, rötlichen Himmel.

ETAPPE 5 VON ALTA NACH MUONIO

Durch eisige Kälte zurück nach Finnland

Nach einem kurzen, erholsamen Aufenthalt in der Sorrisniva Arctic Wilderness Lodge – inklusive Besichtigung des Iglu-Hotels – führte mich die vorletzte Etappe zurück nach Finnland.

Die ersten 50 Kilometer schlängelten sich spektakulär durch ein kleines Gebirge. Danach wurde es noch kälter. An der Grenze zeigte das Thermometer –24 °C. Der Dakar war vollständig vereist.

Erstmals seit Lakselv begegnete ich wieder Rentieren – diesmal einer großen Herde. Sie blickten mich ebenso neugierig an wie ich sie.

Die letzten 60 Kilometer waren besonders schön zu fahren: klare Luft und dank der guten Scheinwerfer beste Sicht auf die Straße und in die Wälder. Nach rund 300 Kilometern erreichte ich bei Dunkelheit das Nivunki Village (www.nivunkivillage.com). Zwei Nächte hatte ich hier reserviert – zum bewussten Ausklang der Reise.

RUHETAG IM NIVUNKI VILLAGE

Schneeschuhwandern, Sauna mit Eisbad und Snowmobil-Tour

Der achte Tag war frei von großen Plänen – außer der abendlichen „Northern Lights Snowmobil-Tour“.

Vom warmen Bett meiner privaten Kota blickte ich in die verschneite Landschaft. Beim Frühstück kam ich mit Gastgeber Sami Luoto ins Gespräch – ein Austausch unter Kollegen. 2024 haben sie dieses „Hütten-Dorf“ eröffnet, mit viel Persönlichkeit und hohem Qualitätsanspruch. Das spürt man – auch kulinarisch.

Sami empfahl mir eine Winterwanderung. Zehn Kilometer durch eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch – über gefrorene Seen und durch Wälder. Begleitet vom Sonnenaufgang oder -untergang – hier verschwimmen die Grenzen.

Danach Sauna mit Blick über den See. Und schließlich die Entscheidung: Eisbaden bei –21 °C Lufttemperatur – schaffe ich das? Es gelang mir – Glücksgefühle inklusive.

Am Abend folgte die Snowmobil-Tour. Die Nordlichter ließen nicht lange auf sich warten – intensiver als zuvor. Gegen Mitternacht fiel ich erschöpft, aber glücklich ins Bett.

ETAPPE 6 VON MUONIO NACH ROVANIEMI

Zurück zum Nikolaus und noch etwas Driften

Der Abschied fiel erneut schwer. Die Strecke war unspektakulärer, weil sie nur über Hauptverbindungsstraßen führte. Weil mir das vorher klar war, startete ich früh, um am Nachmittag noch Zeit zu haben.

Vorbei ging es am Skigebiet Levi – nahe der Porsche-Winterteststrecke, wo meine Begeisterung für den Dakar begann. Mit –27 °C war es hier am kältesten.

In Rovaniemi machte ich Halt im Santa Claus Village – viel Kitsch, viele Menschen. Für mich nichts, aber für meine Kinder wollte ich das Foto mit dem Weihnachtsmann.

Anschließend zurück ins Rally Test Center – und ein paar Stunden Driften mit einem Mitsubishi Evo X. Am Ende war klar: So beeindruckend der Porsche ist – auf Schnee und Eis ist der Evo kaum zu schlagen.

Ein herzliches Dankeschön an Reinhold Renger von Drive Vision, der das kurze Intermezzo ermöglicht hat. Wer das selbst einmal ausprobieren möchte, kann sich mit besten Grüßen von mir hier anmelden: www.drive-vision.de

DANKESCHÖN

Zehn Tage nördlich des Polarkreises – ein erfüllter Traum

Ich bin dankbar für diese Reise, für die Begegnungen, für die Natur und für die Erinnerungen, die bleiben. Vielleicht komme ich eines Tages zurück – dann vielleicht mit meinen beiden Töchtern, ähnlich wie Christian und Sophie.

Mein Dank gilt allen, die mich unterstützt haben: Ralph und Luca von APR Deutschland (www.go-apr.de), Tommy, Uwe Nittel, Andy und Jussi. Gabi und Uwe danke ich für die Gastfreundschaft und das Erlebnis mit ihren Huskys.

Und sollte jemand Lust verspüren, ein ähnliches Abenteuer zu wagen: Ich teile meine Erfahrungen gerne persönlich.

Anfrage & Buchung

Wir würden uns freuen, Sie bald im Hotel Castel begrüßen zu dürfen – kontaktieren Sie uns jetzt!

close
  • Geschlossen, aber immer für Sie da!

    Vom 17. November 2025 sind wir in unserer Winterpause. Gerne erreichen Sie uns telefonisch von Mo-Fr, 10-16 Uhr unter +39 0473 923 693 oder per E-Mail (info@hotel-castel.com) rund um die Uhr. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen ab dem 19.03.2026!

    Hier buchen