Castel Fahrtage 2024 – Wenn der Regen die schönsten Kulissen schafft

Castel Fahrtage 2024

Regen, Kurven und viele schöne Erinnerungen

Nicht jede Ausgabe der Castel Fahrtage kommt mit blauem Himmel und goldenem Oktoberlicht. Die dritte Ausgabe – vom 16. bis 20. Oktober 2024 – hatte das Wetter klar gegen sich. Und war dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, eine der Unvergesslichsten bisher.

20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit 12 Fahrzeugen fanden sich zusammen: wieder viele Porsche, dazu Audi, Aston Martin, Ferrari, Mercedes AMG. Menschen mit einer gemeinsamen Leidenschaft – und der Bereitschaft, diese auch bei tiefen Wolken und nassen Straßen auszuleben. Für die Vorbereitung hatte ich mir noch mehr Zeit genommen als in den Jahren zuvor: neue Routen, neue Restaurants, neue Pässe. Das Ergebnis waren die längsten Fahrtage aller bisherigen Ausgaben – knapp über 1.000 Kilometer Gesamtfahrstrecke, wenn man alle vier Touren mitgefahren ist. Dass das Event auch 2024 fast ausgebucht war, hat mich sehr gefreut. Es hat sich herumgesprochen – und das ist das schönste Zeichen dafür, dass wir etwas Richtiges tun.

Fahrtag 1

Sekt statt Sonnenschein – ein stimmungsvoller Auftakt

Den ersten Tag hatte ich bewusst kurz gehalten. Wer am Mittwoch anreiste, sollte direkt mitfahren können – deshalb starteten wir erst am Nachmittag. Klein, fein und mit zwei schönen Pässen gleich zur Begrüßung.

Vom Castel führte die Route hinauf zum Gampenpass und über Fondo weiter zum Mendelpass. Oben eine kurze Kaffeepause, der Blick in die Wolken trotzdem lohnend – der Mendelpass hat auch bei gedämpftem Licht etwas Imposantes.

Hinab Richtung Terlan, dann aufwärts nach Mölten. Dort wartete das Highlight dieses Nachmittags: ein Besuch bei Arunda, der höchstgelegenen Sektkellerei Südtirols. Josef Reiterer, der Sektproduzent persönlich, führte uns durch die Kellerei und erklärte alles, was es zur klassischen Methode (Flaschengärung wie beim Champagner) zu wissen gibt. Die Menge an Flaschen auf den Rüttelpulten, die täglich von Hand gedreht werden müssen, ließ uns alle staunen.

Anschließend eine kleine Verkostung – natürlich in Maßen, schließlich lagen noch knapp 30 Kilometer vor uns. Ich hatte extra meinen alten Audi RS4 ("Was is’n das für’n Kombi?") dabei und konnte so die Einkäufe für alle sicher transportieren – was das Probieren erleichterte. Am späten Nachmittag zurück im Castel lud ich alle zum Welcome-Apéritif an die Bar. Ein ruhiger, schöner Einstieg.

Fahrtag 2

Vom Alpenpass zum Gardasee – die längste Tour aller Fahrtage

Nach einem kurzen Briefing am Morgen ging es zu den Autos. Für mich war die Wahl klar: mein Porsche GT3 Touring. 333 Kilometer lagen vor uns – die längste Einzeltour, die ich je bei den Fahrtagen geplant hatte. Unser Ziel: der Gardasee. Fotograf Patrick war natürlich dabei.

Das Wetter des Vortages hatte sich etwas beruhigt. Tiefe Wolken, sonnige Abschnitte – nicht perfekt, aber gut zu fahren. Über Bozen ins Eggental, dann hinauf durch die Wolken zum Lavazéjoch. Oben empfing uns blauer Himmel und Sonnenschein – eine dieser unverhofften Belohnungen, die man nicht allzu oft erfährt. hindurchgefunden hat.

Gestärkt mit Espresso weiter ins Fleimstal und hinunter ins Valle di Cembra, das wir talauswärts fuhren: eine Straße, die sich am Hang entlangschlängelt und jeden Kilometer Fahrfreude macht. Nördlich an Trento vorbei, dann hinauf zum Monte Bondone – bekannt durch das alljährliche Bergrennen im Frühsommer. Wir fuhren ihn nicht als Rennstrecke, aber auch nicht schläfrig. Oben in Vason sammelten wir uns kurz. Alle lächelten.

Hinab durchs Valle dei Laghi Richtung Süden, bis der größte See am Ende des Tals sichtbar wurde: der Lago di Garda. Mittagessen in Riva del Garda im La Caneva Bistrot Mediterraneo – mediterran, entspannt, perfekt nach dem langen Vormittag. Wer wollte, blieb am See. Die Mehrheit fuhr mit mir zurück – über kaum befahrene Straßen durch das Moränenplateau von Lomaso, vorbei an Fiavè und Ponte Arche, später am schönen Molvenosee vorbei bis nach Fondo, von dort hinab nach Lana und zurück ins Castel. Es war eine lange Tour. Aber die Eindrücke zwischen dem Alpinen und dem Mediterranen machten jeden Kilometer wert.

Fahrtag 3

Acht Unerschrockene auf dem König der Pässe

Dieser Tag war der besondere. Und nicht trotz des Wetters – sondern wegen ihm.

Das Stilfser Joch. Mit 2.758 Metern Höhe die höchste Passstraße Italiens, zweithöchster asphaltierter Alpenpass überhaupt. 48 nummerierte Kehren auf der Südtiroler Seite, gebaut zwischen 1820 und 1825 – die „Königin der Alpenstraßen“, wie man sie hier nennt. Beim Giro d’Italia eine Legende. Und an diesem Freitag in tiefen Wolken und vollem Regen gehüllt.

Einige Teilnehmer hatten kurzfristig abgesagt – was ich gut nachvollziehen konnte. Acht blieben. Ganz nach dem Motto: Stelvio bei Sonne kann jeder. Ich nahm wegen des Wetters meinen Audi TT RS – das beste Auto im Regen. Wir starteten um 8 Uhr.

Durch das Vinschgau, ab Glurns ins Münstertal, hinüber in die Schweiz und hoch auf den Ofenpass. Auf halbem Weg nach Zernez bogen wir ab – kurz warten, bezahlen, und dann durch den einspurigen Tunnel nach Livigno. Spannend. Zollfrei. Alle tankten voll.

Weiter über den felsigen Passo di Foscagno nach Bormio – und von dort hinauf auf das Stilfser Joch, von der Bormio-Seite. Eine Entscheidung, die ich bewusst getroffen hatte: Diese Auffahrt ist fahrerisch die schönere. Kehren, Tunnels, lange Geraden, schöne Kurven – eine Abwechslung, die die Südtiroler Seite mit ihren fast ausschließlichen Spitzkehren so nicht bietet. Und dann noch dieses: Kein einziges entgegenkommendes Fahrzeug. Nur wir acht, der Regen, die Wolken und der Pass. Das Stilfser Joch gehört an solchen Tagen den Unerschrockenen.

Einen langen Stopp oben ersparten wir uns – zu nass. Dafür entschädigte die Abfahrt nach Prad: Die schönen Berge sieht man von dieser Fahrtrichtung viel besser als beim Hinauffahren. Im Tal wartete Glurns – die kleinste Stadt Südtirols – und dort im Wirtshaus Steinbock der talentierte Thomas Ortler mit einer köstlichen Belohnung für uns Abenteurer. Die letzte Etappe zurück durch das Vinschgau im vollen Regen. Es war eine Tour, die ich nie vergessen werde. Danke an die Mutigen!

Fahrtag 4

Die große Dolomitenrunde – und ein versöhnlicher Abschluss

Die finale Tour ist bei den Fahrtagen Tradition: acht Pässe, die große Dolomitenrunde bis nach Cortina d’Ampezzo und zurück. Für mich war heute der BMW M3 CSL angesagt – mehr Emotion und Motorsound geht nicht. Und das Wetter? Gnädig. Morgens noch feucht, dann öffnete sich der Himmel Stück für Stück. Auch die sieben Hartliner vom Vortag waren natürlich wieder dabei - zusammen mit allen anderen.

Die Route kennen alle, die schon einmal dabei waren – und sie ist dennoch jedes Jahr neu. Vorbei am Rosengarten, über den Nigerpass, den Karerpass ins Fassatal, hinauf zum Passo Fedaia mit der Marmolada zur Rechten. Weiter durch die Ampezzaner Dolomiten, Passo di Giau, Falzarego, Pordoi, Sellajoch. Im Herbst in Farben, die man nicht beschreiben, nur erleben kann. Das aufklarende Wetter verlieh der Landschaft an diesem Tag eine besondere Tiefe – das Licht nach dem Regen hat seine ganz eigene Qualität.

Zum Mittag kehrten wir diesmal schon vor Cortina ein – in der Baita Resch, mit guter alpiner Kost. Zurück im Castel waren alle glücklich. Auch ich.

Beim Drivers Table nach dem Dinner an der Bar gab es entsprechend mehr zu bereden als sonst. Und der Satz, der den Abend auf den Punkt brachte, kam von einem der Teilnehmer: „Nachstes Jahr bin ich wieder dabei – das Wetter kann nur besser werden. Die Stimmung kaum.“

DANKESCHÖN

Die Fahrtage 2024 im Rückspiegel

1.040 Kilometer. 21.623 Höhenmeter. Über 20 Stunden Fahrzeit. Die anspruchsvollsten Fahrtage aller bisherigen Ausgaben – und trotz allem, oder vielleicht genau deshalb, eine der schönsten.

Das Wetter hatte 2024 nicht mitgespielt. Aber wer zum Fahren kommt, lässt sich davon nicht aufhalten. Was bleibt, sind Bilder, die bei Sonnenschein nicht entstanden wären: das Stilfser Joch im Regen, eingehüllt in Wolken, nur für uns acht. Der blaue Himmel am Lavazéjoch, der sich nach der Wolkendecke plötzlich öffnet. Das Licht nach dem Regen über den Dolomiten. Die nassesten Fahrtage waren für mich die schönsten bisher.

Für 2025 habe ich mir vorgenommen: etwas kürzer, etwas unter 900 Kilometer – und vielleicht fahre ich auch mal mit einem Cabrio, wenn der goldene Oktober hält, was sein Name verspricht.

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