
Castel Fahrtage 2025 – Fahrfreude, Pässe und goldener Oktober
Castel Fahrtage 2025
Traumwetter, schöne Autos und leere Straßen
Es gibt Momente, auf die ich mich als Gastgeber das ganze Jahr über freue. Die Castel Fahrtage im Oktober gehören dazu. Nicht nur, weil ich mich jedes Mal schon Wochen vorher in die Routenplanung stürze und Pässe erkunde, die ich zuvor noch nicht kannte. Sondern vor allem, weil mit diesen Tagen Menschen ins Castel kommen, die diese spezielle Leidenschaft für das Autofahren teilen. Menschen, mit denen man nicht lange erklären muss, warum man einen Umweg über einen leeren Pass dem direkten Weg auf der Schnellstraße vorzieht.

Fahrtag 1
Einfahren mit Stil


Für den ersten Tag hatte ich bewusst einen halben Tag geplant. Kein Marathon zur Begrüßung, sondern ein sanfter, aber atmosphärischer Einstieg. Vom Castel aus führte die Route durch das Passeiertal hinauf auf das Timmelsjoch – mit 2.474 Metern Höhe Österreichs höchster Straßengrenzübergang und der einzige befahrbare Übergang des Alpenhauptkamms zwischen Reschen und Brenner.
Die Straße, die Ötztal und Passeiertal verbindet, wurde erst 1968 für den Verkehr freigegeben – Jahrzehnte des Straßenbaus unter widrigsten Bedingungen liegen hinter dieser Route. Im Oktober aber gehört sie fast uns allein: leere Kehren, stille Passstraßen, nur der Klang der Motoren und der Blick auf die herbstlich gefärbten Hänge des Naturparks Texelgruppe.
Nach einer Kaffeepause im beeindruckenden Top Mountain Motorcycle Museum direkt an der Passhöhe – mit 350 Exponaten eines der hochgelegensten Museen Österreichs – ging es zurück Richtung Süden.
Doch nicht direkt: Ein Umweg führte uns zum Weingut Plonerhof in Marling, wo unsere Sommelière Ivana Capraro extra für uns erschien und gemeinsam mit der Winzerfamilie eine exklusive Verkostung ausrichtete. Ein ruhiger, schöner Auftakt – und am Abend traf sich, wer wollte, zum Welcome-Aperitif mit mir an der Bar.

Fahrtag 2
Der große Bogen durch den Südtiroler Süden


Kurzes Briefing am Morgen, Roadbooks erklärt, dann gingen wir zu den Fahrzeugen. Für mich war die Wahl wieder klar: mein geliebter BMW 3.0 CSL – ein Klassiker, der auf diesen Straßen noch mehr Sinn ergibt als anderswo. Die zweite Tour war mit 222 Kilometern die zweitlängste der Fahrtage und sie hatte alles, was man von einem guten Fahrtag erwartet: abwechslungsreiche Strecken, überraschende Blicke und ein Mittagessen, das zu gut war, um es schnell zu beenden.
Vom Castel führte die Route über die Hochstraße nach Vöran und Mölten hinab nach Terlan – immer der Sonne entgegen, wunderschön. Über schmale Straßen hinauf nach Steinegg, dann durch die flüssig zu fahrende Strecke zwischen Birchabrugg und Aldein mit herbstlich glühenden Farben an jedem Hang. Danach der Blick hinab ins Etschtal und über die Weinberge des südtiroler Südens – ein Panorama, das atmet.
Das Mittagessen beim Restaurant Panholzer, idyllisch am Rande der Südtiroler Weinlandschaft gelegen, war einer dieser Momente, an denen keiner aufstehen wollte. Sonnenschein, Wärme, die Küche von Daniel Giuliani. Man saß und saß.
Doch die Highlights danach motivierten: die steile Felswand des Mendelpasses, an der die Motorengeräusche zurückgeworfen wurden wie in einem Amphitheater, und das weite Hochplateau bei Fondo, von dem es hinüber ins Ultental geht – eine Strecke, die einfach zum Ausfahren einlädt. Talauswärts durch herbstliche Landschaft hinab nach Lana und zurück ins Castel. Alle begeistert.

Fahrtag 3
Mein persönliches Highlight – mit einem besonderen Fahrzeug


Für diesen Tag hatte ich mir etwas vorgenommen: Erstmals nahm ich meinen Dallara Stradale mit. Ein Auto, das Fragen aufwirft, bevor man einsteigt – und Antworten gibt, sobald man es fährt. Die Sitzposition ist so tief, dass man das Gefühl hat, direkt auf der Straße zu sitzen.
Das Fahrverhalten ist so direkt, dass jede Kurve direkt ins Mark geht. Ich musste mich erst gewöhnen. Aber ab dem Mittag – da war es warm genug, um offen zu fahren. Und im Dallara bedeutet "offen" wirklich "offen" und die Natur inkl. Geräusche und Gerüche unmittelbar um einen herum. Ich war euphorisiert.
Begleitet wurden wir an diesem Tag von Fotograf Patrick, der die Teilnehmer auf den Pässen in Szene setzte. Vom schattigen Passeiertal aus ging es hinauf zum Jaufenpass – mit 2.094 Metern der nördlichste inneritalienische Alpenpass und eine der schönsten Verbindungen zwischen Meran und dem Eisacktal. An der neuen Edelweißhütte auf der Passhöhe eine kurze Stärkung, dann hinab Richtung Sterzing. Kurz vorher aber: rechts ab auf das Penserjoch. Diese Etappe hat sich bei mir festgebrannt. 2.211 Meter hoch, kaum ein anderes Auto weit und breit, eine flüssige schöne Strecke, und immer weiter der Blick in die Sarntaler Alpen. Oben verweilten wir gemeinsam und genossen die Aussicht.
Durch das Sarntal hinab und dann hinauf nach Klobenstein auf dem Ritten. Dort empfingen uns die Brüder Werner und Hannes Pirbamer in ihrem charmanten Restaurant mit großartigem Essen und herzlicher Gastfreundschaft. Danach: durch die Schleichwege von Bozen, die Korkenzieher-Kurven hinauf nach Jenesien mit dem Traumblick über die Landeshauptstadt, weiter über Mölten und Hafling zurück nach Meran. Ein ereignisreicher Tag, der lange im Kopf bleibt.

Fahrtag 4
Die große Dolomitenrunde


Tour Nummer vier ist bei den Fahrtagen Tradition. Sie ist immer dieselbe – und immer wieder anders. Die große Dolomitenrunde mit acht Pässen bis nach Cortina d'Ampezzo und zurück, über 300 Kilometer, der längste Tag. Fotograf Patrick war erneut dabei. Ich hatte einen früheren Start eingeplant.
Ab Bozen: nur noch Traumstraßen. Vorbei am Rosengarten, über den Nigerpass, am Latemar entlang, über den Karerpass hinab ins Fassatal – im Oktober in stiller Ruhe, kaum zu glauben für alle, die das Tal vom Sommer kennen. Hinauf zum Passo Fedaia mit der Marmolada zur Rechten, deren Gletscher im Herbstlicht leuchtet. Über schöne Bergstraßen bis zum Passo di Giau – für viele in der Gruppe der schönste Fahrpass der Runde. 2.236 Meter, 55 Kehren, das Panorama der Ampezzaner Dolomiten in alle Richtungen. Ein Pass, der auch beim Giro d'Italia Legende wurde.
In Cortina d'Ampezzo sahen wir die intensiven Bauarbeiten für die Olympischen Winterspiele – aber wir hatten keinen Stress. Mittagessen in der Dolomiti Lodge, an der frischen Luft, mit dem Blick auf dieses Bergtheater. Zu schön zum Aufstehen. Und doch: vier weitere Pässe lagen noch vor uns. Falzarego, Pordoi und Sellajoch – im Herbst in Farben, die man kaum in Worte fassen kann. Durchs Grödnertal, über den Panider Sattel, oberhalb des Eisacktals entlang nach Bozen, dann auf der Schnellstraße zurück nach Meran. Wie jedes Jahr: ein großartiger Abschluss.
Am Abend lud ich zum traditionellen "Driver's Table" an die Bar. Alle kamen - auch die Beifahrer/innen. Man liess die Eindrücke Revue passieren, sprach über Linien, Kurven, Motoren und Momente. Benzingespräche, wie man sie nur mit Gleichgesinnten führt.

© Bildquellen: Patrick Schwienbacher, Daniel Dobitsch





