Castel Fahrtage 2025 – Fahrfreude, Pässe und goldener Oktober

Castel Fahrtage 2025

Traumwetter, schöne Autos und leere Straßen

Es gibt Momente, auf die ich mich als Gastgeber das ganze Jahr über freue. Die Castel Fahrtage im Oktober gehören dazu. Nicht nur, weil ich mich jedes Mal schon Wochen vorher in die Routenplanung stürze und Pässe erkunde, die ich zuvor noch nicht kannte. Sondern vor allem, weil mit diesen Tagen Menschen ins Castel kommen, die diese spezielle Leidenschaft für das Autofahren teilen. Menschen, mit denen man nicht lange erklären muss, warum man einen Umweg über einen leeren Pass dem direkten Weg auf der Schnellstraße vorzieht.

Vom 15. bis 19. Oktober 2025 hieß es zum vierten Mal: Motoren starten, Fenster öffnen, Südtirol erleben. 26 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit 15 Fahrzeugen – Porsche, Bentley, Ferrari, McLaren und natürlich auch BMW – fanden sich zusammen, um an vier Tagestouren durch das herbstliche Südtirol und die Dolomiten teilzunehmen. Ich hatte mich intensiv auf neue Routen vorbereitet, denn für alle, die schon mehrmals dabei waren, ist es mir besonders wichtig, jedes Jahr andere Eindrücke zu bieten. Das Event war früh ausgebucht – das freut mich jedes Mal aufs Neue. Und das Wetter? Traumhaft. Konstanter Sonnenschein und milde Temperaturen den ganzen Oktober, die Herbstfärbung in vollster Pracht. Ein besseres Bühnenbild lässt sich kaum denken.

Fahrtag 1

Einfahren mit Stil

Für den ersten Tag hatte ich bewusst einen halben Tag geplant. Kein Marathon zur Begrüßung, sondern ein sanfter, aber atmosphärischer Einstieg. Vom Castel aus führte die Route durch das Passeiertal hinauf auf das Timmelsjoch – mit 2.474 Metern Höhe Österreichs höchster Straßengrenzübergang und der einzige befahrbare Übergang des Alpenhauptkamms zwischen Reschen und Brenner.

Die Straße, die Ötztal und Passeiertal verbindet, wurde erst 1968 für den Verkehr freigegeben – Jahrzehnte des Straßenbaus unter widrigsten Bedingungen liegen hinter dieser Route. Im Oktober aber gehört sie fast uns allein: leere Kehren, stille Passstraßen, nur der Klang der Motoren und der Blick auf die herbstlich gefärbten Hänge des Naturparks Texelgruppe.

Nach einer Kaffeepause im beeindruckenden Top Mountain Motorcycle Museum direkt an der Passhöhe – mit 350 Exponaten eines der hochgelegensten Museen Österreichs – ging es zurück Richtung Süden.

Doch nicht direkt: Ein Umweg führte uns zum Weingut Plonerhof in Marling, wo unsere Sommelière Ivana Capraro extra für uns erschien und gemeinsam mit der Winzerfamilie eine exklusive Verkostung ausrichtete. Ein ruhiger, schöner Auftakt – und am Abend traf sich, wer wollte, zum Welcome-Aperitif mit mir an der Bar.

Fahrtag 2

Der große Bogen durch den Südtiroler Süden

Kurzes Briefing am Morgen, Roadbooks erklärt, dann gingen wir zu den Fahrzeugen. Für mich war die Wahl wieder klar: mein geliebter BMW 3.0 CSL – ein Klassiker, der auf diesen Straßen noch mehr Sinn ergibt als anderswo. Die zweite Tour war mit 222 Kilometern die zweitlängste der Fahrtage und sie hatte alles, was man von einem guten Fahrtag erwartet: abwechslungsreiche Strecken, überraschende Blicke und ein Mittagessen, das zu gut war, um es schnell zu beenden.

Vom Castel führte die Route über die Hochstraße nach Vöran und Mölten hinab nach Terlan – immer der Sonne entgegen, wunderschön. Über schmale Straßen hinauf nach Steinegg, dann durch die flüssig zu fahrende Strecke zwischen Birchabrugg und Aldein mit herbstlich glühenden Farben an jedem Hang. Danach der Blick hinab ins Etschtal und über die Weinberge des südtiroler Südens – ein Panorama, das atmet.

Das Mittagessen beim Restaurant Panholzer, idyllisch am Rande der Südtiroler Weinlandschaft gelegen, war einer dieser Momente, an denen keiner aufstehen wollte. Sonnenschein, Wärme, die Küche von Daniel Giuliani. Man saß und saß.

Doch die Highlights danach motivierten: die steile Felswand des Mendelpasses, an der die Motorengeräusche zurückgeworfen wurden wie in einem Amphitheater, und das weite Hochplateau bei Fondo, von dem es hinüber ins Ultental geht – eine Strecke, die einfach zum Ausfahren einlädt. Talauswärts durch herbstliche Landschaft hinab nach Lana und zurück ins Castel. Alle begeistert.

Fahrtag 3

Mein persönliches Highlight – mit einem besonderen Fahrzeug

Für diesen Tag hatte ich mir etwas vorgenommen: Erstmals nahm ich meinen Dallara Stradale mit. Ein Auto, das Fragen aufwirft, bevor man einsteigt – und Antworten gibt, sobald man es fährt. Die Sitzposition ist so tief, dass man das Gefühl hat, direkt auf der Straße zu sitzen.

Das Fahrverhalten ist so direkt, dass jede Kurve direkt ins Mark geht. Ich musste mich erst gewöhnen. Aber ab dem Mittag – da war es warm genug, um offen zu fahren. Und im Dallara bedeutet "offen" wirklich "offen" und die Natur inkl. Geräusche und Gerüche unmittelbar um einen herum. Ich war euphorisiert.

Begleitet wurden wir an diesem Tag von Fotograf Patrick, der die Teilnehmer auf den Pässen in Szene setzte. Vom schattigen Passeiertal aus ging es hinauf zum Jaufenpass – mit 2.094 Metern der nördlichste inneritalienische Alpenpass und eine der schönsten Verbindungen zwischen Meran und dem Eisacktal. An der neuen Edelweißhütte auf der Passhöhe eine kurze Stärkung, dann hinab Richtung Sterzing. Kurz vorher aber: rechts ab auf das Penserjoch. Diese Etappe hat sich bei mir festgebrannt. 2.211 Meter hoch, kaum ein anderes Auto weit und breit, eine flüssige schöne Strecke, und immer weiter der Blick in die Sarntaler Alpen. Oben verweilten wir gemeinsam und genossen die Aussicht.

Durch das Sarntal hinab und dann hinauf nach Klobenstein auf dem Ritten. Dort empfingen uns die Brüder Werner und Hannes Pirbamer in ihrem charmanten Restaurant mit großartigem Essen und herzlicher Gastfreundschaft. Danach: durch die Schleichwege von Bozen, die Korkenzieher-Kurven hinauf nach Jenesien mit dem Traumblick über die Landeshauptstadt, weiter über Mölten und Hafling zurück nach Meran. Ein ereignisreicher Tag, der lange im Kopf bleibt.

Fahrtag 4

Die große Dolomitenrunde

Tour Nummer vier ist bei den Fahrtagen Tradition. Sie ist immer dieselbe – und immer wieder anders. Die große Dolomitenrunde mit acht Pässen bis nach Cortina d'Ampezzo und zurück, über 300 Kilometer, der längste Tag. Fotograf Patrick war erneut dabei. Ich hatte einen früheren Start eingeplant.

Ab Bozen: nur noch Traumstraßen. Vorbei am Rosengarten, über den Nigerpass, am Latemar entlang, über den Karerpass hinab ins Fassatal – im Oktober in stiller Ruhe, kaum zu glauben für alle, die das Tal vom Sommer kennen. Hinauf zum Passo Fedaia mit der Marmolada zur Rechten, deren Gletscher im Herbstlicht leuchtet. Über schöne Bergstraßen bis zum Passo di Giau – für viele in der Gruppe der schönste Fahrpass der Runde. 2.236 Meter, 55 Kehren, das Panorama der Ampezzaner Dolomiten in alle Richtungen. Ein Pass, der auch beim Giro d'Italia Legende wurde.

In Cortina d'Ampezzo sahen wir die intensiven Bauarbeiten für die Olympischen Winterspiele – aber wir hatten keinen Stress. Mittagessen in der Dolomiti Lodge, an der frischen Luft, mit dem Blick auf dieses Bergtheater. Zu schön zum Aufstehen. Und doch: vier weitere Pässe lagen noch vor uns. Falzarego, Pordoi und Sellajoch – im Herbst in Farben, die man kaum in Worte fassen kann. Durchs Grödnertal, über den Panider Sattel, oberhalb des Eisacktals entlang nach Bozen, dann auf der Schnellstraße zurück nach Meran. Wie jedes Jahr: ein großartiger Abschluss.

Am Abend lud ich zum traditionellen "Driver's Table" an die Bar. Alle kamen - auch die Beifahrer/innen. Man liess die Eindrücke Revue passieren, sprach über Linien, Kurven, Motoren und Momente. Benzingespräche, wie man sie nur mit Gleichgesinnten führt.

DANKESCHÖN

Die Fahrtage 2025 im Rückspiegel

Vier Tage. Gut 850 Kilometer. Über 21.000 Höhenmeter. 13 Pässe, davon acht allein am letzten Tag. Herbstlich leuchtende Landschaften, leere Straßen, großartige Restaurants, wunderbare Menschen mit einer gemeinsamen Leidenschaft. Genau das sind die Castel Fahrtage – und genau deshalb mache ich sie.

Was mich jedes Jahr aufs Neue beeindruckt: Es sind nicht nur die Autos und die Strecken. Es sind die Gespräche am Abend, das gemeinsame Staunen an einer Passhöhe, das Lächeln nach einer besonders schönen Kurve. Wer einmal dabei war, kommt gerne auch wieder.

Und wer noch nicht dabei war: 2026 gibt es die Gelegenheit – und es wird ein besonderes Jahr. Die fünfte Ausgabe der Castel Fahrtage findet im Oktober 2026 statt. Ein kleines Jubiläum – und ich freue mich schon auf neue Routen, neue Begegnungen und neue Eindrücke.

Zu den diesjährigen Fahrtagen

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