September 2026 – eine Castel-Geschichte von Ivana Capraro

Luce 2022 – Tenuta Luce, Montalcino, Toskana

Jeden Monat stellen wir Ihnen einen Wein aus unserem Keller vor, den unsere Sommelière Ivana Capraro für den entsprechenden Monat empfiehlt.

September 2026

Dreißig Jahre Luce, sieben Jahrhunderte Geschichte.

Dies ist meine 30. Weinempfehlung für die Castel-Geschichten – beinahe wie ein Spiel des Schicksals: Auch der Wein, den ich dafür ausgewählt habe, erzählt von einem dreißigsten Jubiläum. Luce 2022 ist der 30. Jahrgang des ikonischen Weins der Tenuta Luce in Montalcino.

Das Weingut heute

Tenuta Luce

Die Geschichte von Luce beginnt Anfang der 1990er-Jahre mit der Begegnung zweier großer Persönlichkeiten der internationalen Weinwelt: Vittorio Frescobaldi und Robert Mondavi. Auf der einen Seite die Toskana mit ihren jahrhundertelangen Traditionen, auf der anderen Kalifornien mit einer modernen und internationalen Vision vom Wein. Die Idee war ebenso einfach zu erzählen wie anspruchsvoll umzusetzen: In Montalcino sollte ein großer Wein entstehen, der über Konventionen hinausgeht, ohne dabei die Identität seines Terroirs zu verleugnen. Der erste Jahrgang war 1993.

Die Familie Frescobaldi produziert seit mehr als siebenhundert Jahren Wein in der Toskana und ist heute bereits in der 30. Generation angekommen. Und damit zeigt sich eine weitere bemerkenswerte Verbindung: 30 Generationen Frescobaldi, 30 Jahrgänge Luce – und, in unserem Fall, mein 30. Artikel.

Die Geschichte der Familie ist eng mit der Geschichte von Florenz verbunden: Über die Jahrhunderte hinweg handelten die Frescobaldi mit einigen der bedeutendsten europäischen Höfe, und zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert gelangten ihre Weine sogar an den englischen Königshof und an den Päpstlichen Hof.

Eine der Anekdoten, die ich besonders interessant finde, stammt aus dem 19. Jahrhundert: Im Jahr 1855, als internationale Rebsorten in der Toskana noch etwas Außergewöhnliches waren, führte die Familie Sorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir und Chardonnay ein. Fast eineinhalb Jahrhunderte später sollte ausgerechnet der Merlot zu einer der beiden Hauptrebsorten des Luce werden.

Der Wein

Luce 2022

„Ein Jahrgang, der 30 Jahre Ambition und Vision feiert.“

So entstand Luce aus der Verbindung von Sangiovese und Merlot: Die eine Rebsorte ist tief mit der Geschichte Montalcinos verbunden, die andere bringt Geschmeidigkeit, Tiefe und eine zusätzliche Ausdrucksdimension mit.

Auch der Name ist kein Zufall. Luce – „Licht“ – erinnert an die Sonne von Montalcino, an jenes Licht, das den Rhythmus der Jahreszeiten bestimmt, die Arbeit des Menschen begleitet und es der Rebe ermöglicht, ein Terroir langsam in Frucht zu verwandeln.

Auf dem Etikett leuchtet eine strahlende Sonne: Il Sol Solis, die Darstellung der Sonne mit zwölf Strahlen, inspiriert vom Sonnensymbol im Hochaltar der Basilica di Santo Spirito in Florenz – einer Kirche, die im 15. Jahrhundert von Filippo Brunelleschi geplant und unter anderem auf Grundstücken der Familie Frescobaldi errichtet wurde.

Der Jahrgang 2022 ist dabei nicht nur symbolisch: Klimatisch war er anspruchsvoll – ein kalter und trockener Winter, ein niederschlagsarmer Frühling und ab Mai rasch ansteigende Temperaturen. Der Sommer setzte sich warm und trocken fort. Zwei bedeutende Niederschläge am 28. Juli und 15. August, jeweils mit rund 30 mm, brachten den Reben jedoch genau in einer entscheidenden Phase der Reife eine willkommene Entlastung. Die Merlot-Trauben wurden ab dem 28. August gelesen, während man beim Sangiovese bis zum 10. September wartete.

Die Vinifikation erfolgt in Zementtanks. Die Gärung findet bei 28 °C über 12 Tage statt, gefolgt von einer 22-tägigen Maischestandzeit auf den Schalen. Die malolaktische Gärung erfolgt in Barriques; anschließend reift der Wein dort weitere 24 Monate – 80 % in neuen Barriques und 20 % in einjährigen Barriques. Der Sangiovese bringt Säure, Vertikalität, Energie und den typisch toskanischen Charakter mit, der Merlot ergänzt ihn um Volumen, Tiefe und Geschmeidigkeit.

In der Welt des Weins sprechen wir ständig über Zeit: über den Zeitpunkt der Weinlese, die Dauer der Gärung, die Reifezeit, die Zeit in der Flasche und schließlich über die Geduld, die man braucht, bevor man sie öffnet. Doch manche Flaschen erzählen von einer noch viel größeren Zeitspanne. Hinter dieser Flasche stehen sieben Jahrhunderte der Familie Frescobaldi, dreißig Generationen, die Begegnung zwischen Vittorio Frescobaldi und Robert Mondavi, der erste Jahrgang von 1993 und dreißig Weinlesen, in denen eine Idee immer weiter verfeinert wurde. Und nun sind wir bei meinem 30. Artikel angekommen.

„Nach dreißig Begegnungen denke ich noch immer, dass das schönste Privileg des Sommelier-Berufs nicht einfach darin besteht, große Weine zu kennen. Es besteht darin, sie erzählen zu dürfen.“ – Ivana Capraro

 
Rebsorte:

Sangiovese, Merlot

Farbe:

Leuchtendes Rubinrot

In der Nase:

Aromen von roten Johannisbeeren und Granatapfel, begleitet von zarten floralen Noten.

Am Gaumen:

Unmittelbar von einer schönen Frische getragen, mit reifen, weichen und fein ausgearbeiteten Tanninen. Die Struktur des Merlot und die Spannung des Sangiovese scheinen miteinander zu spielen, ohne dass eine der beiden Rebsorten die andere vollständig dominiert.

Salute!
Sie möchten probieren?

Castel-Weine zuhause genießen

Diesen großartigen Luce 2022 sowie weitere Weine der Weingüter von Familie Frescobaldi können Sie im Castel genießen und auf Wunsch teilweise auch aus unserer hoteleigenen Vinothek zu attraktiven Preisen mit nach Hause nehmen. Alternativ senden wir Ihnen Ihre Wunschweine gerne bequem direkt zu – ich freue mich jedenfalls sehr auf Ihren Besuch.

Ihre Ivana Capraro

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